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Leonardo – Dürer, Ausstellungsansicht

Leonardo – Dürer, Ausstellungsansicht

LEONARDO – DÜRER Meisterzeichnungen auf farbigem Grund

Albrecht Dürer, Die Hände des hl. Dominikus (Detail)

Albrecht Dürer, Die Hände des hl. Dominikus (Detail)

Die Ausstellung: Theoretisch eine Sensation, praktisch eine lehrhafte Fülle

Ralph Gleis, Generaldirektor der Albertina, hat sich zum Ziel gesetzt, das Publikum seines Hauses an seinem gewaltigen Wissen teilhaben zu lassen. „True Colors“ in der Albertina Modern führt bereits über fein ausgewählte Objekte ausführlich belehrend in die technische Entwicklung der Fotografie hinein. Mit „LEONARDO – DÜRER. Meisterzeichnungen auf farbigem Grund“ (bis 9. Juni 2025 in der Propter Homines Halle) wird nun dank der wissenschaftlichen Arbeit der Kuratoren Achim Gnann und Christof Metzger ein bisher wenig beachtetes Detail der Kunstgeschichte in ansehnlicher Breite aufgearbeitet. Es geht um Zeichnungen, wie sie in der Renaissance sowohl in Italien als auch nördlich der Alpen geschaffen wurden. Titel gebend sind die beiden Großen, wenn nicht die Größten dieses Genres: Leonardo da Vinci (1452-1519) und Albrecht Dürer (1471-1528).

Leonardo da Vinci, Halbfigur eines Apostels

Leonardo da Vinci, Halbfigur eines Apostels

Urs Graf d. Ä., Hexensabbat, 1514

Urs Graf d. Ä., Hexensabbat, 1514

Ausführliche Wandtexte führen ein in die Technik des Hell-Dunkel-Zeichnens. Verwendet wurde seit dem 14. Jh. farbig präpariertes Papier. Die Unterlage wurde dazu mit einem Gemisch aus Knochenpulver, Leim- oder Gummiwasser grundiert und dem dünnflüssigen Brei Farbe in Pulverform beigemengt. Damit war der Mittelton vorhanden, von dem aus sowohl ins Helle wie auch ins Dunkle gearbeitet werden konnte. Verwendet wurden dafür Metallstift, Feder, Pinsel oder Kreide. Wer mag, kann sich noch weiter in die Materie vertiefen und Begriffe wie „Chiaroscuri“ oder „rilievo“ in seinen Wortschatz aufnehmen und sich damit als angehender Kunsthistoriker im Freundeskreis vorstellen. Was genau dahintersteckt, lässt sich bei aufmerksamer Lektüre, z. B. des zur Ausstellung erschienenen Kataloges, vertiefen. Eine derart penible Vorbereitung ist unerlässlich für ein sinnvolles Defilee entlang langer Reihen einander nicht unähnlicher Bilder.

Denn erst mit dem so erarbeiteten Wissen geben die einzelnen Blätter an der Wand das Geheimnis ihrer verblüffenden Wirkung preis und erzählen über das jeweilige Sujet hinaus von der Spontaneität des Künstlers. Es sind durchwegs hochkarätige Arbeiten, die wie die „Betenden Hände“ oder die „Halbfigur eines Apostels“ aus eigenem Bestand stammen und mit internationalen Leihgaben u. a. dem Louvre, den Uffizien in Florenz oder dem Kupferstichkabinett Berlin ergänzt wurden.

Albrecht Dürer, Liegender weiblicher Akt, 1501

Albrecht Dürer, Liegender weiblicher Akt, 1501

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