Kultur und Weindas beschauliche MagazinWachs in seinen Händen, Ausstellungsansicht WACHS IN SEINEN HÄNDEN Später Lorbeer für Daniel Neuberger
In einem Selbstbildnis sitzt Daniel Neuberger (1621-1680) in nachdenklicher Pose zwischen den Göttern Saturn und Minerva. Sie hält über ihn einen Schild gegen den Neid, der am Boden als hässlicher Kopf zum Künstler hinauf starrt. Der alte Mann hinter ihm ist der Kinder fressende Saturn, der einen Totenschädel mit Lorbeerkranz in seinen Armen birgt, als Aussicht auf den großen Ruhm nach dem Ableben. Dieses Detail ist erstaunlich, denn Neuberger war bereits zu Lebzeiten einer der best bezahlten Künstler am Kaiserhof zu Wien, mit Honoraren, die weit über denen der Zeitgenossen lagen. Überdies verschwand sein Name mit seinem Tod. Daniel Neuberger wurde vergessen. Erst im Zuge von Recherchen bei der Restaurierung von zwei Hauptwerken wurde sein einzigartiges Können wieder entdeckt und findet nun in der Ausstellung „Wachs in seinen Händen. Daniel Neubergers Kunst der Täuschung“ (bis 9. Juni 2025) im Kabinett der Schatzkammer entsprechende Würdigung.
Daniel Neuberger war Bildhauer, Maler, Steinschneider und Literat. Das Material seiner Hauptarbeiten ist jedoch Wachs, gesammelt von den Bienen für ihre Waben und mit Zusätzen wie festigenden Harzen, Venezianer Terpentin oder Bockstalg zur Verarbeitung aufbereitet. Die damit geschaffene Oberfläche erlaubte dem Wachsbossierer das perfekte Tromp-l´Œil, die Täuschung des Auges und die Verwirrung der Sinneswahrnehmung bis hin zu existentiellen Fragen damaliger Philosophen wie Descartes. Neuberger ging laut Berichten damit so weit, den Kaiser selbst lebensgroß als Automat darzustellen, bereichert mit einem komplexen Bewegungsmechanismus, dass Besucher der Kunstkammer davor ehrfurchtsvoll auf den Boden fielen oder ihm Gedichte präsentierten. Untersuchungen haben ergeben, dass sich der Kopf dieser Figur möglicherweise in der Porträtbüste von Kaiser Leopold I. erhalten hat. Diese Skulptur steht mit derjenigen von Kaiser Ferdinand III. im Mittelpunkt der Schau, die einen beeindruckenden Beweis für das herausragende Können Neubergers bietet. Es brachte ihm nicht nur Geld und Ansehen ein, sondern auch ein von höchster Stelle ausgestelltes Privileg, das als Sensationsfund im Eingangsbereich gezeigt wird.
Die wahre Meisterschaft zeigt sich in den Miniaturen. Mit Wachs gelangen Neuberger Reliefs in einer Feinheit und Höhe, an der selbst die Schneider von Kameen gescheitert sind. Nachgeahmt wurden Holz, Elfenbein oder sogar Eisen, die aber genauso als „dienende“ Materialien im Untergrund oder im Rahmen eingesetzt wurden. Eine Vitrine verrät dazu die Techniken, derer sich Neuberger bediente. So entstand auch die „Tafel mit 60 Szenen aus den Metamorphosen des Ovid“ (1651), die didaktisch mit einer hands-on-Station verbunden ist. Darauf lassen sich die winzigen Bildnisse vergrößern und ermöglichen eine späte Erinnerung an den Lateinunterricht, als die Hexameter dieses römischen Dichters zur Übersetzung angestanden sind.
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