Hyperkapitalismus und seine Folgen werden mit surrealem Humor infrage gestellt.
Von der Größe eines Fingernagels bis zur Breite eines CinemaScope-Videos erstrecken sich die Ausmaße der Werke, die bis 10. August 2025 im KunstHausWien verlegenes Grinsen, amüsierte Ratlosigkeit oder scheuen körperlichen Einsatz zeitigen werden. Ein Bursch mit beachtlicher Nase niest Kaninchen auf den Tisch vor sich, hinter einem Kussmund tun sich bei genauem Durchblick unerhörte Schweinereien auf und in dunklen Kammern laufen Filme wie „Spaghetti Blockchain“, die ihre immens wichtigen Botschaften erst bei ausführlicher Sichtung ahnen lassen. Am Boden wuchern überdimensionale Schwammerln mit giftig leuchtenden Hüten, während an den Wänden scheinbar willkürlich kombinierte Objekte unter Titeln wie „#2with salad“ oder „#11 with cabbage“ sich von selbst drehen oder vom Spieltrieb in Bewegung gesetzt werden.
Es handelt sich um das Kuriositätenkabinett von Mika Rottenberg, geboren 1976 in Argentinien, aufgewachsen in Israel und nun in New York von ihrer Arbeit lebend.
Ein Blick in den Projektraum Garage trifft auf Plastik. Unsere Welt scheint aus diesem Material gebaut, aus dem Kunststoff, an dem niemand mehr vorbeikommt und der als Mikroplastik allmählich bis in unsere Körperzellen vordringt um zu bleiben; ein Material mit Ewigkeitswert.
Ein Team von jungen Leuten hat sich nun an die Berge von Plastikmüll herangemacht, um unter dem Motto „Plastic Matters“ im Kleinen aktiv Handlungsräume zu eröffnen. Drei Kapitel – Sammeln, Verarbeiten, Gestalten – zeigen den Kunststoff als „zirkuläre“ Ressource samt den verblüffend einfachen Maschinen, die eine Wiederverwertung ermöglichen. Wen´s interessiert, dem wird das Thema gerne nahegebracht, z. B. mit Workshops unter dem Motto „Lang lebe das Plastik!“
Neues Museumserlebnis in einem der originellsten Ausstellungshäuser der Welt
Über allem steht der Respekt vor Friedensreich Hundertwasser. Er hat einst dieses nicht unauffällige Haus im 3. Wiener Gemeindebezirk erdacht und nach seinen Vorstellungen erbauen lassen. Es wurde sein ganz persönliches Museum, mit viel Platz für Gastkunst, die sich in den eigenwillig gestalteten Räumen wohlfühlt. Hundertwasser war ein Prediger, einer, der die Gerade verabscheute ebenso wie die Monotonie des Designs und die Verschwendung von natürlichen Ressourcen. Tempora mutantur und machten auch in diesem der Natur nachempfundenen Bauwerk vor allem in der Infrastruktur Änderungen nötig. Sie erfolgten nun ganz im Sinne des Künstlers. Zusammengefasst kann die Renovierung als „klimafit und nachhaltig, mit Gespür für die Bausubstanz“ bezeichnet werden.
Das betrifft in erster Linie die Energieversorgung, neben der Erneuerung der gesamten Gebäudetechnik und einer Reihe von Verbesserungen, die modernste Museumsstandards garantieren. Der vollständige Ausstieg aus CO2-produzierenden Energiequellen ist dank der Einführung von Hydrothermie gelungen! An diese sensationelle Meldung schließt sich nahtlos der Erfolgsbericht von einer Reduktion des Energieverbrauchs um 75% an. Diese erstaunliche Ersparnis ist unter anderem der Umrüstung auf LED-Beleuchtung und dem Einbau einer Grundwasserzisterne für die Bewässerung der mehr als 260 Pflanzenarten zu verdanken.
Hundertwasser würde es von Herzen freuen. Es wäre jedoch nicht das KunstHausWien ohne Dauerausstellung für den nach wie vor ungemein populären Künstler. In zwei Etagen wird die weltweit größte Sammlung seiner Werke in neuer Aufstellung präsentiert. Hinter der Anordnung der Bilder, Modelle und Informationstafeln steht das tiefe Anliegen, dem Hundertwasser sein Leben gewidmet hat. Es geht um ein in unseren Tagen schier undenkbares Anliegen, um einen Friedensschluss zwischen Mensch und Natur, für ein menschen- und naturgerechteres Bauen sowie für weltweiten Frieden. Mit „Into the Woods. Annäherungen an das Ökosystem Wald“ werden sich in den bisherigen Räumen bis 11. August 2024 in einer Gruppenausstellung 16 zeitgenössische künstlerische Positionen dem Lebensraum Wald, seinen ökologischen Prozessen sowie seinen Bedrohungen widmen. Mit der Klima Biennale Wien ab 5. April 2024 wird das Museum zum Zentrum einer Auseinandersetzung mit dem vielschichtigen Verhältnis Mensch-Kunst-Natur und den Folgen des globalen ökologischen Wandels stehen.